Pfoten - News - Kirchschlag 2010
Kirchschlag 2010
Im Winter waren Monika und Yama eine Zeit lang im idyllisch verschneiten Kirchschlag bei Linz. Yama, Monika und der oberösterreichische Wald harmonierten prima. Monika schrieb den ersten Teil von "Wir sind Gott" und wenn sie Frischluft brauchte, durchstreifte sie mit Yama die wirklich wunderschönen Wälder. Auf einer Seehöhe von etwa 900 Metern tun die Luft und Energie unbeschreiblich gut. Auch wenn Kirchschlag ein beliebtes Ausflugsziel für Wochenendtouristen ist, begegnet man da oben so gut wie keiner Menschenseele, wenn man sich tief ins Gehölz vorwagt. Und das taten die beiden auch.
Monika glühten gerade die Finger vom Tippen, als Yama demonstrativ seine Pfoten auf ihren Oberschenkeln platzierte. "Hey, mach was mit mir!" hieß das. Wenige Minuten später waren sie auf einer märchenhaften Lichtung. Wenige Sekunden später flitze Yama weg: Der junge Racker hatte sein erstes Reh gesehen und es ihn. Alles Rufen, nein, Schreien, war für die Katz bzw. für den tauben Hund. Etwa zwei Stunden lang verfolgte Monika zwei Spuren durch den Tiefschnee. Zwar war sie heilfroh, dass die Spur nur weiß und nicht rot war, aber das Waten durch den überhüfthohen Schnee erschöpfte sie total und machte sie kurz fast komplett verrückt. Geflucht hat sie so, wie vermutlich der Elch im norwegischen Lillehammer geflucht hat, als er in die spiegelglatte Bopbahn fiel und als wahnsinniges Stück Fleisch ins Ziel raste. Nach drei Stunden Rufen und Herumlaufen ging Monika zurück an ihre Schreibstätte, wechselte drei durchgeschwitzte Bekleidungsschichten gegen trockene Sportsachen, steckte Schokolade als Proviant ein und machte sich erneut auf die Suche.
Ganz fest nahm sie sich vor, ihre Freude den Zorn überwiegen zu lassen, wenn Yama ihr entgegenlaufen würde. Zwei weitere Stunden lang durchkämmte sie den Wald im Zwiebelschalensystem. Dabei markierte sie so oft als möglich den "Weg" mit allen möglichen Körperflüssigkeiten, um es dem Hobbyspürhund etwas leichter zu machen, sie zu finden. Außerdem machte Monika Horch- und Rufpausen, während sie sich im Kreis drehte. Als ihre Stimmbänder völlig am Ende waren und sie die vom Schnee reflektierten Sonnenstrahlen blendeten, näherte sich ihr endlich eine Ansammlung schwarzer Punkte. Yama war auch vollkommen fertig. Physisch und psychisch. Seine Läufe waren aufgeschunden, das Fell komplett durchnässt und er zitterte am ganzen Leib. Am liebsten hätte Monika ihn nachhause getragen. Nach ein paar wärmenden Kuschelrunden gingen sie heim. Er entfernte sich nicht einmal mehr einen Meter von seinem Frauchen.
Monika greift auf eine langjährige Erfahrung mit großen Hunden zurück: Rottweiler, Bullmastiff und Deutsche Doggen. Noch nie war einer dieser Vierbeiner davongelaufen. Nicht einmal wenn sie Wild witterten. Das liegt daran, dass diese Hunde - im Gegensatz zu Yama - schon als Welpen an der "unsichtbaren Leine" gingen, sich also in Monikas unmittelbarer Nähe aufhielten und sofort an ihrer linken Seite klebten, wenn sie "Fuß!" rief. Diese Form der "kontrollierten Freiheit" musste Yama erst lernen, weil sie ihn ja aus dem Tierheim holte und er daheim ein Haus- und Gartenhund ist, der nur selten das Vergnügen hat, in die etwas freiere Wildbahn zu kommen. Alles will gelernt sein. Heute läuft Yama immer noch frei, wenn er draußen ist, steht aber auf Zuruf sofort parat. Er liebt es, wie man am Bild sieht, den Überblick zu bewahren, verläßt aber sein Rudel nicht. Wenngleich die Hundegesetze sowohl Mensch als auch Hund mehr und mehr versklaven, so lässt Monika dem Hund und sich selbst das natürliche Privileg des freien Laufs nicht nehmen...
