Transnormalität

Monika Donner Monyama

Wie gesagt, passt Monika in keine Schublade mehr. Aus den selbst gebauten Schubladen "Centurio" und "Monique Dumont" hat sie sich ja erfolgreich befreit. Zwar bezeichnet sie sich, so wie sie heute lebt, für die eher materiell-rational fixierte Masse als Transfrau, auf emotionaler Ebene deklariert sie sich aber nur ungern. Viel lieber würde sie in ihrem Wesen erkannt werden, das jenseits menschlich konstruierter Geschlechterrollen liegt, anstatt in verstaubten, kleingeistigen Denk-Schubladen abgelegt zu werden.

 

Vielen Menschen ist dies aber nicht möglich. Da rücksichtsvolle intellektuelle Auseinandersetzungen der gegenseitigen Annäherung dienlich sein können, bezeichnet Monika sich eben als Transfrau. Dieser Begriff drückt aber nicht ganz korrekt aus, worum es in ihrem Leben geht. Viel passender ist der von ihr kreierte Begriff „Trans-Zender“. Es geht um zen-orientierte Transformation. In Wahrheit kann es aber gar keinen Begriff geben, der ihr Wesen zutreffend beschreibt. Kein Wesen kann mit Worten beschrieben werden.

 

„Trans-Sein“ ist etwas zutiefst Spirituelles für Monika. Wir alle haben weibliche und männliche Anteile. Folglich können vorgegebene, künstliche Rollenbilder nicht erfüllend sein. Monikas „Trans-Sein“ ist Ausdruck ihrer spirituellen Rebellion. Es brachte sie ihrem Selbst näher, ist ihr persönlicher Weg zur Einheit mit der Natur, ihrem Umfeld usw. Im Bewusstsein, etwas Neues zu bringen, versucht sie dies auf möglichst einfühlsame Weise zu tun. Gesellschaft und Rechtsordnung kennen nur die Geschlechter Frau und Mann.

 

Da für eine Mischung „geistig-seelisch überwiegend weiblicher und körperlich überwiegend männlicher Menschen“ noch kein eigener Rechtsraum besteht, hat sie sich abgesichert und für das soziale Leben jener Rolle zugeordnet, welche ihrem inneren Empfinden am nächsten kommt und ihr mehr Freiheiten bietet: Frau. Dass unsere „Kultur“ noch keinen echten Platz für Zwischenformen hat, steht auf einem grauen Blatt, das Monika mit ihren eigenen Farben bemalt. Du fragst Dich eventuell, ob es anstrengend ist, dazwischen zu stehen. Monikas Antwort lautet: ja und nein. Für sie gab es in letzter Konsequenz nur diesen Weg. Es ist, wie es ist.